Freitag, 17 August 2018

Kugelkreuz

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kugelkreuzDas Kugelkreuz

 

Das sogenannte "Kugelkreuz" wurde im Mai 1946 von den evangelischen Jugendverbänden als Zeichen für die Evangelische Jugend Deutschlands festgelegt. Für die Evang. Jugend war dies ein Neuanfang nach der beschämenden Zeit des Nationalsozialismus.

 

Geschichtlicher Hintergrund:

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Am 4. März 1934 waren die evangelischen Verbandsjugendgruppen, (wie auch die zahlreichen anderen zu dieser Zeit in Deutschland bestehenden Jugendverbände) in die Hitlerjugend vom NS-Staat zwangsweise eingegliedert worden. Auch wenn viele gegen diese Auflösung ihrer selbständigen Jugendarbeit heftigst protestierten, so konnten sie doch an dem Sachverhalt nichts mehr ändern. In Bayern, wie in anderen Landeskirchen auch, bestand die Lösung darin, dass man auf eine feste Mitgliedschaft überhaupt verzichtete, und somit die evangelischen Jugendlichen vom Zwang befreite, der Hitlerjugend beizutreten. Viele begrüßten die neue Bewegung jedoch zunächst begeistert. Übergriffe der Hitlerjugend auf Veranstaltungen der evangelischen Gemeindejugend trugen mit dazu bei, dass sich unter den verbliebenen evangelischen Jugendlichen allmählich zunehmend eine Distanz zum NS-Staat aufbaute. Der Widerstand entzündete sich jedoch hauptsächlich an der Frage nach der Eigenständigkeit. Eine politische Kritik wurde öffentlich erst nach 1945 geübt.

 

Herkunft und Deutung des Symbols:

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Das Kugelkreuz war damals keine Neuschöpfung; es hat eine lange Geschichte und taucht erstmals im 6. Jahrhundert auf einem Relief in Ravenna auf. In St. Petersburg wird ein Medallion aus dem 6. Jahrhundert aufbewahrt, das byzantinischer Herkunft ist und ein hoch aufragendes Kreuz auf einer kreisrunden Scheibe erkennen lässt. Es ist ein Triumphkreuz, das von zwei Engelgestalten flankiert wird. Die christliche Ikonographie macht keine eindeutigen Angaben zur Deutung dieses Symbols. Im frühen Mittelalter bereits gab es das Symbol als Kugel verbunden mit dem Kreuz und kann in dieser Zeit noch nicht als Erdkugel verstanden werden, denn das ptolomäische Zeitalter kannte die Erde nur als Scheibe. Es ist naheliegend, dass die Kugel, die das Kreuz trägt, abgeleitet ist vom Apfel. Der altjüdische Mythos berichtet im Alten Testament, daß der Apfel die unheilbringende Frucht aus dem Paradies sei. In der Hand des Jesuskindes, seit dem 11. Jahrhundert nachweisbar, ist der Apfel das Symbol der Überwindung und Erlösung von der Sünde. Bei spätgotischen Madonnenfiguren taucht die kombinierte Form als Kreuz auf der Kugel ebenfalls auf und steht im gleichen Deutungszusammenhang.

Als goldener Reichsapfel, zu den Insignien der weltlichen Herrscher gehörend, darf ein ähnlicher Zusammenhang gesehen werden. Er symbolisiert zweierlei: das Beherrschen der „Verderbtheit der Menschen“ mit königlich/kaiserlicher, von Gott abgeleiteter Macht, aber auch die Verführbarkeit des Menschen durch Macht als ständige Gefährdung wird angemahnt. Die Begrenzung der Schuld des Menschen ist des Herrschers von Gott abgeleitete Aufgabe. Über der Reichsmacht steht die Antwort fordernde Macht Gottes; der Mensch ein verantwortliches Wesen.

 

Christus eint die Welt

 

kugelkreuz_3Es gibt aber bereits im frühen Mittelalter auch die andere Deutung: Das im Weltkreis stehende und diese Scheibe überragende Kreuz. Der Kreis ist dort in drei Sektoren aufgeteilt (zwei Viertelsektoren und ein Halbkreissektor). Der Mittelpunkt des Kreises, bei dem das Kreuz aufzuragen beginnt, deutete auf Jerusalem, damals verstanden als Mittelpunkt der Welt, Europa als Halbkreissektor, Asien und Afrika je als Viertelkreissektor. Dieses Symbol verdeutlicht das Verständnis:

Christus eint die bewohnte Erde, die Ökumene.

Damit sind wir dicht an der Deutung dieses Zeichens für die Evangelische Jugend: In der Zeit der Auseinandersetzung zwischen den sogenannten "Deutschen Christen" und der "Bekennenden Kirche", in der Zeit des Hitlerfaschismus, wurde das Symbol "Kugelkreuz" zum Ausdruck dessen, was im Barmer Bekenntnis der "Bekennenden Kirche" von 1934 insbesondere in These 2 formuliert wurde. Mit Bezug auf 1. Korinther 1, 30:

"Wir verwerfen die falsche Lehre, als gäbe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heilung durch ihn bedürften."


Das Kugelkreuz bedeutet:

 

Weltliche Macht darf nicht die letzte Instanz sein!

Die einzige Macht, die wir letztlich anerkennen, ist Gottes Macht.

Dies symbolisiert das Kreuz Jesu auf der Weltkugel. Es steht symbolisch für die Sache Jesu.

logo_ejbEs war die Evangelische Jugendkammer der Bekennenden Kirche in Deutschland, die das Symbol Kugelkreuz zum Bekenntniszeichen der evangelischen Jugendarbeit auswählte. Die Initiative lag bei dem damaligen Leiter des Burckhardthauses (ein Fortbildungsinstitut der Evang. Kirche in Deutschland in Gelnhausen), Pfarrer Otto Riethmüller, und dem christlichen Künstler Rudolph Koch. Otto Riethmüller wurde kurz vor der Auflösung einer Anzahl evangelischer Jugendverbände, bzw. der Eingliederung der Reste der Evangelischen kugelkreuz-aufnaeherJugend in die Hitlerjugend, Vorsitzender der Jugendkammer der Bekennenden Kirche. Mit dem Tragen dieses Symbols war eine entschiedene Haltung gegen Versuche der Nationalsozialisten verbunden, eine gleichgeschaltete evangelische Reichskirche zu schaffen.

Nach der Zerschlagung des Faschismus in Deutschland und dem Ende des zweiten Weltkrieges übernahm die "Ordnung der Evangelischen Jugend in Deutschland" im Mai 1946 das "Kugelkreuz" als Zeichen der Evangelischen Jugend. Am 28.1.1947 beschloss die Jugendkammer der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Bethel "Bestimmungen für die Ausgabe des Zeichens der Evangelischen Jugend Deutschlands".

 

Das Kugelkreuz als Protestzeichen gegen staatliche Macht:

kugelkreuz-leute

In den westdeutschen Landeskirchen (BRD) erhielten die evangelischen Jugendlichen das "Kugelkreuz" als Anstecknadel zusammen mit einer "Verleihungskarte", sofern man Mitglied einer kugelkreuz-fahneGliederung der Evangelischen Jugend war. In den ostdeutschen Landeskirchen (ehemalige DDR) gab es keine Mitgliedschaft in einem Verein oder Verband. Durch Taufe und Konfirmation gehörte man zu einer Gemeinde, war eingeladen zur „Jungen Gemeinde“ und erhielt die Anstecknadel in der Regel nach einem Jahr regelmäßiger Teilnahme an den Veranstaltungen der „Jungen Gemeinde“ in einer gottesdienstlichen Veranstaltung (Monatsrüste o.ä.) überreicht mit den Worten aus 1. Johannes 5,4 „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“. Angesichts des Alleinvertretungsanspruchs der FDJ (Freie Deutsche Jugend), stand in der Zeit der DDR mehrfach zur Diskussion, ob sich hinter der Bezeichnung „Junge Gemeinde“ möglicherweise eine zweite Jugendorganisation verberge, die es zu verbieten gelte.

kugelkreuz2Besonders schwerwiegende Auseinandersetzungen gab es in den Jahren 1952/53 und 1958 mit Lehrern und FDJ-Sekretären, die nicht selten mit Schulverweisen von den Oberschulen endeten und bis 1961, dem Bau der Mauer, zu einem Wechsel des Wohnortes in die Bundesrepublik Deutschland führten. Angesichts einer sich massiv und militant formierenden atheistischen Propaganda war das Tragen der Anstecknadel ein öffentliches Bekenntnis zur Botschaft des Evangeliums und auch ein Protest gegen Ignoranz und Intoleranz der gesellschaftsformenden Machthaber der DDR.

Bekenntnis-, Verbands- und Qualitätszeichen der Evangelischen Jugend ist das Kugelkreuz in "Ost" und "West" bis heute geblieben. Heute ist das Tragen der Anstecknadel etwas „aus der Mode“ gekommen.

Mit diesem Symbol wissen sich evangelische Jugendliche getragen von der befreienden Botschaft Jesu von Nazareth und suchen in der Beschäftigung mit den Worten der Bibel ihren Weg zu gelingendem Leben und zur Wahrnehmung von Verantwortung in Kirche und Gesellschaft.

 

Einige Beispiele für die Verwendung des Kugelkreuzes im Logo:

 

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Natürlich unser eigenes Logo der Evangelischen Jugend in Bayern, das es in unteschiedlichen Ausführungen gibt, da es für jedes Dekanat in bayern angepasst werden darf indem der Schriftzug "im Dekant ... " mit verwendet wird.

www.ejb.de

 

aej2Evangelische Jugend in Deutschland:

youngspiriX - das Evangelische Jugendportal ist ein Projekt der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej). 
Als Dachorganisation vertritt die aej die Interessen der Evangelischen Jugend auf Bundesebene gegenüber Bundesministerien, gesamtkirchlichen Zusammenschlüssen, Fachorganisationen und internationalen Partnern.

EJHN-Logo

Das Logo der Evangelischen Jugend in Hessen und Nassau. Das Logo wird ebenfalls Verbandsweit für die Jugendarbeit der Mitgliedsdekanate verwendet.

www.ejhn.de


mitteldeutschland
Das Logo des Bundes der Evangelischen Jugend in Mitteldeutschland. Mitglieder des bejm sind die evangelischen Jugendverbände und Partnerorganisationen einschließlich deren Mitglieder auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

www.bejm-online.de

 

ej-badenLogo der Evangelischen Jugend Baden.

www.ejuba.de

 

 

bremen

Logo der Evangelischen Jugend Bremen.

Auf dieser Seite kannst Du Dich über die Aktionen, Projekte, Seminare und Veranstaltungen der Evangelischen Jugend Bremen informieren.

www.evangelischejugendbremen.de/

 

 

Übrigends:

Das Kugelkreuz gibt es als Ansteckpin beim Amt für Jugendarbeit in Bayern auch zu kaufen.

 

(Text Nach Gerhard Bemm, www.evangelische-freizeithaeuser.de - gekürzt und ergänzt durch Volker Napiletzki und Matthias Geißlinger)